Mode aus Afrika

African_WomanAfrikanische Mode ist auf dem Vormarsch in den letzten Jahren. Leider noch weitgehend unbemerkt von den ganz großen Fashion Shows und vor allem weit weg vom öffentlichen Zugang für Viele. Weiß man über Mode aus Russland oder Mexiko nicht viel, ist es wohl im Vergleich dazu so, dass man über die Mode aus Afrika praktisch nichts weiß.

Meist aus dem Fernsehen kennt man die bunten Drucke des weiten, fließenden afrikanischen Kaftans. Die Farben braun, grün, schwarz, gelb, rot dominieren oft diese traditionellen Gewänder. Doch es tut sich einiges, um die neue afrikanische Mode endlich auch in das Bewusstsein des europäischen Modefans zu packen.

Africa Fashion Day bringt afrikanische Mode nach Europa

In Berlin gibt es mittlerweile den Africa Fashion Day, ein Tag zum Staunen und Kennenlernen. Auch in Paris und Rom gibt es ausgewählte Fashion Weeks für Mode aus Afrika. Noch sind afrikanische Designer offensichtlich nicht selbstverständlich integriert in die großen Schauen der Welt, z.B. die Black Fashion Week in Paris oder die Africa Fashion Week in London. Sie finden gleichzeitig mit den großen Modewochen der Metropolen statt. Die bedeutendste Fashion Week aber ist die in Dakar.

Ca. 30 afrikanische Designer präsentieren dort Ihre Entwürfe einem aufmerksamen und begeisterten Publikum. Der Laufsteg ist beim Schaulaufen im Senegal sehr oft ein wahres Farben- und Musterfeuerwerk. Mutig sind die Entwürfe, selten fremdartig, meist mit einem ordentlichen Wow-Effekt. Die Wurzeln  der afrikanischen Mode werden mit aktuellen Trends gepaart, mit traditionellen Mustern und Schnitten. Viele Kollektionen sind auffallend erdverbunden.

Designer aus Afrika

Einer der größten modernen Designer aus Afrika ist, nicht sofort am Namen zu erkennen, eine Frau: José Hendo besticht durch ihre sehr mutigen, naturnahen Modelle. Ihre Materialien sind entweder streng natürlich oder recycelt. Einer der Höhepunkte bisher: die Kollektion aus Baumrinde. José Hendo setzt Nachhaltigkeit in ihren Entwürfen konsequent, ungewöhnlich, mutig und wunderschön um. Einer ihrer Schwerpunkte ist Brautmode.

Immer mehr internationale Beachtung findet auch des Label Sawa Shoes, die Schuhe aus Addis Abeba in Äthiopien. Sawa Shoes entwirft Sneaker, die mit dem einen Streifen. Das Vintagedesign ist schlicht.

Adama Amanda Ndiaye hat die Dakar Fashion Week vor 10 Jahren initiiert. Die im Kongo geborene Diplomatentocher wollte es nicht hinnehmen, dass Afrikanische Fashion keine Plattform hat und es ihr auch nicht möglich war, auf den klassischen großen Laufstegen Fuß zu fassen. Heute ist die weitgereiste weltoffene Designerin ein Begriff in der Modewelt. Ihre Modelle sind reduziert, meist schwarz, manchmal mit feinen Mustern. Sie will weg vom bunten Image, hin zu gleichberechtigter selbstbewusster Mode für moderne Frauen.

Aus Südafrika stammt Mabothokgong Mathole. Ihre Modelle beim Label Hunadi Bespoke Couture sind bunter, mehr, wie man sich Mode aus Afrika vorstellt, was natürlich zu Ende gedacht nicht haltbar ist, da dieser große Kontinent mit all seinen unterschiedlichsten Völkern nicht den einen Stil hat. Die großflächigen Muster und kräftigen Farben herrschen bei Ihren Modellen einfach deshalb vor, weil sie ihre Stoffe in Afrika bezieht. Mit ihrem Team besucht Mabothokgong Mathole zahlreiche Straßenmärke, immer auf der Suche nach dem ultimativen Muster. Aus den Stoffen, bzw. einer Kombination der Stoffe, erschafft sie starke Mode mit modernen Schnitten.

Futuristisch und sehr modern präsentiert sich der französisch-ivorische Modedesigner Pierre Antoine Vetterello. Er wurde in Bordeaux geboren und lebt heute in Brüssel, macht sich aber stark für die afrikanische Mode. Er sieht dort seine Wurzeln und weiß, dass Mode aus Afrika nur durch internationale Aufmerksamkeit und vor allem Sponsoren, wie den nigerianischen Mäzen Nduka Obagbena eine Chance hat, sich mehr und mehr als selbstverständlicher Teil auf internationalen Parketts zu etablieren. In den Kollektionen von Pierre Antoine Vetterello tauchen sehr oft erdige Farbtöne auf, das typische Rautenmuster, starke Kombinationen der Grundfarben gelb, grün und blau, dazu ein kräftiges braun.  Die Kombination extremer futuristischer Elemente, die sehr oft eine gewisse Kälte und Nüchternheit ausstrahlen und der warmen erdverbundenen Anteile ist außergewöhnlich.

Einen der ganz großen Designer mit afrikanischen, genauer karibischen, genauer jamaikanischen, Wurzeln darf man an dieser Stelle nicht vergessen. Er ist einer der ganz großen und am besten verdienendsten Designer überhaupt: Romero Bryan. Romero Bryan hat Kleider für Alicia Keyes und Destiny´s Child entworfen. Sarah Nuru und sogar Michelle Obama tragen seine Modelle. Der leidenschaftliche Designer war neben Africa Fashion Days und Weeks auch auf der New York Fashion Week vertreten. Seine Entwürfe sind sehr modern. Er liebt es, durch seine sehr femininen Modelle die Kurven seiner Kundinnen aufs weichste zu betonen. Er verwendet nur die feinsten Stoffe. Er ist in London aufgewachsen und hat daher auch seine prägenden Einflüsse. Romero Bryan ist ein kreatives Wunderkind und erfolgreich wie kaum ein zweiter. Im Moment findet man Designer aus Afrika tatsächlich fast nur auf speziellen Afrikaevents.

Eigentlich ist es unvorstellbar, dass ein ganzer Kontinent praktisch in der Modeszene bisher nicht auftaucht. Trotz allem ist dies eine Tatsache, die es zu ändern gilt, denn bereits die traditionellen Gewänder, die Wurzeln der African Fashion lassen erahnen, dass aus einer Symbiose von Tradition und Moderne ganz wundervolle Kreationen entstehen werden.

© Foto by Anna Langova/Wikipedia